Wer sich bislang nicht vorstellen konnte, dass man auch mitten in Portugal und nur wenige Stunden von der Atlantikküste entfernt Skifahren kann, der sieht sich angesichts der diesbezüglich bereits seit dem 19. Jahrhundert beliebten und gut besuchten Region Serra da Estrela schnell eines Besseren belehrt. Hier im zentralen Osten des lusitanischen Landes im nach dem Gebirgsmassiv benannten und größten portugiesischen Naturpark Parque Natural da Serra da Estrela (PNSE) mit seiner ca. 1000 km² großen Fläche kommen jedoch nicht nur Skifreunde um den höchsten nationalen Gipfel Torre (1997 Meter) mit vier Skiliften und 8 km Pisten auf ihre Kosten. Auch Wanderer schätzen das dichte Netz von markierten, knapp 360 km langen Wanderwegen. Beliebte Strecken für Tagestouren sind z.B. die Gletscher-Tälerroute, die Route der 25 Lagunen, die Manteigas- und die Azinheira-Strecke, der vorbei führt am beeindruckenden Wasserfall von Poço do Inferno.
Die Gemeinden Seia, Gouveia, Celorico da Beira, Guarda, Manteigas und Covilhã innerhalb des Naturparks sind zumeist authentische, mittelalterliche und ländlich wie landwirtschaftlich geprägte kleine Dörfer. Dort finden sich auch die drei Besucherzentren des Naturparks sowie eine Auswahl an Ferienhäusern und Ferienwohnungen. In und um Famalicao und Folgosinho kann man sogar noch Überreste der einstigen römischen Besiedlung besichtigen. Bekannt ist die Gegend auch für ihre intensive Schaf- und Ziegenhaltung und ihren berühmten, hiesigen Käse, der genau wie der Honig aus der Region nicht nur im Umland, sondern in ganz Portugal einen guten Ruf genießt. Sogar eine eigenständige Hunderasse ist nach der Region benannt: der „Cão da Serra da Estrela“ stammt von dort und ist seit Jahrhunderten ein als sehr zuverlässig angesehener Hirten- und Wachhund.
Charakteristisch für die Landschaft der Serra da Estrela, speziell in den dominierenden höheren Lagen, sind die ursprünglichen Eichen-, Eiben- und Waldkieferwälder mit ihrem ausgedehnten Buschbewuchs. In den Gipfelregionen herrschen vor allem Gesteinsformationen und Felsen über die atemberaubende Landschaft. Die Fauna der Gegend ist ebenfalls beachtenswert: Neben größeren Vorkommen an Wildschweinen, Wildkatzen und Fischottern leben hier auch zahlreiche Maulwürfe, Dachse sowie verschiedene Reptilienarten. Doch auch ganz in der Tradition als altes Kulturland zeigt die Serra an vielen Stellen ihre landwirtschaftliche Seite: Mais-, Roggen-, Obst- und Weinanbau wird nicht nur entlang der regionalen Flüsse Mondego, Zezere und Alva schon seit Ewigkeiten betrieben.

